Jambo meine Lieben!
Habari? Jetzt müsst ihr antworten: Nzuri! (Das heißt dann auf Gutbayrisch: Wie schauts aus? - Guad!) Viel größer ist bisher mein Vokabular noch nicht, aber wird sicher noch werden ;) Morgen klingelt der Wecker bzw. der Muezzin. Es ist noch dunkel und ich möchte nicht wissen wie früh es da noch ist. Nachts bellen hier auch die Hund wie verrückt, gut wenn sie Tollwut haben sie sind sie das ja auch vielleicht ein bisschen. Hört sich immer nach einer morts Hundeparty an, die dann tagsüber den Rausch ausschlafen, weil dann wie vom Erdboden verschluckt sind. Macht uns hier schon etwas stutzig. Etwas humaner ist dann der Hahn-Esel-Wecker, der ein wenig später losgeht, aber ein ordentliches Durchhaltevermögen hat. Nachdem wir aufgestanden sind haben sind wir zum ersten Mal in die Stadt und haben mal die Märkte abgecheckt. Es gibt hier 2 bzw. 3 größere Märkte. Einer ist im „Downtown“. Das Fleisch werde ich dort auf keinen Fall kaufen, weil die Fliegen schon von weitem eine dichte schwarze Wolke bilden und es schrecklich stinkt. Netterweise grüßen uns alle hier, die wollen aber eher ihre Ware anpreisen und verkaufen. Uns wurde geraten den Preis der uns zuerst genannt wird nicht zu akzeptieren und auf jeden Fall runterzuhandeln, aber irgendwie habe ich bei einem Kauf dann doch immer das Gefühl, dass er mich verarscht hat. Die Stoffe, die man hier kaufen kann sind sehr schön und man kann sich für recht wenig Geld ein Kleid schneidern lassen. Unter einem Meer von Schwarzen fällt man doch schon sehr auf und Weiße sieht man so gut wie gar nicht. Mittags waren wir dann bei Familie Clowes zum Essen eingeladen. Die drei Kinder sind sehr nett und haben in ihrem Garten ein echtes Spieleparadies. Neben Kletterwand, findet man hier ein Trapolin (für das ich eindeutig zu schwer bin und bei einem riesengroßen Hüpfer am Boden angeschlagen bin), ein Baumhaus und ein Blockhaus was als eigene Privatschule genutzt wird und sehr schön eingerichtet ist. Die Speisekammer stellt der Garten quasi auch da: Jeden Tag frische Eier von Freilandhühnern und wenn es dann doch mal Fleisch sein soll: Hinterm Haus gibt es frische Truthähne. Wozu der Esel Benjamin gut sein soll ist mir noch ein Rätsel. Der ist einfach nur laut oder erregt. Der Hund Simeloy zeigt seine Zuneigung zu dir indem er an deinem Arm rumnagt und vollsabert. Den haben wir dann auch gleich gewaschen, weil selbst der beste Teppichklopfer die Sandbank aus seinem Fell nicht raukriegen konnte. Die erste Sportliche Ertüchtigung hier bestand dann darin den Hund zu fangen und zum Wasserschlauch zu zerren.
Zum um einiges größeren aber auch weiter entfernten Markt sind wir dann auch noch gegangen. Er bestand außer größeren „Shoppingstreets“ auch aus sehr verzweigten, dunklen Gässchen. Also zum Versteckspielen ideal.
Und endlich weiß ich auch wohin die Secondhand-, Thirdhand- und sonstwashand Kleider hinkommen. Kleine Mont Blanc Kleidungshügel haben sich überall aufgetürmt und wurden schon eifrig von Schwarzen Frauen durchwühlt. Manche Sachen waren ja so dreckig, dass ich die gleich in die Mülltonne kloppen würde. Ganz Nette Flip-Flops habe ich dann doch noch gefunden. Dieser Markt stellt im ganzen wohl eine eine Riesenshoopingmal dar, weil mir hier von Wook über Obst und Klamotten alles kriegt.
Fotos sollte man wirklich mit Absprache machen. Als wir ein wenig eigentlich wirklich recht unaufällig rumfotografiert hatten wurden wir schon recht böse angeguckt und ich glaube auch angemotzt. Naja, we will learn.
Zurück haben wir dann gleich mal den regionalen Nahverkehr getestet und sind in ein Dalla-Dalla eingestiegen. Das ist ein kleiner etwas schon schrottiger Bus, der als Shuttle genommen werden kann. Statt den berichteten 50 Schilling (ca. 3-4 Cent) haben wir dann doch 200 Schilling bezahlt, was quasi hier eine Unverschämtheit darstellt ;) Ich habe mich gefragt ob wahrscheinlich 90 Prozent der Schwarzen hier, ihr Geld mit Verkauf verdient?! Der Zeitrhytmus ist hier völlig anders als in Deutschland und man hat das Gefühl von Mitternacht wenn es erst 9 oder 10 ist.
Am Sonntag sind wir nach Utengule gefahren, einem Art für tansanische Verhältnisse Luxus-Hotel und Kaffeeplantage. (Ja Clara ich bringe dir Kaffee mit ;)) Auf dem Weg dorthin hat man erstmal richtig gesehen wie groß und weitläufig eigentlich Mbeya ist. Ganz schöne große Stadt! Dort findet man dann die ganzen Weißen, weil dort der einzige „öffentliche“ Pool in wahrscheinlich mehreren Hundert Kilometern ist. Das kalte Wasser war sehr erfrischend, aber man hat sich dann doch gewundert, dass man als man aus dem Wasser gekommen ist doch tatsächlich gefroren hat. Afrika und frieren hatte ich eigentlich nur am Kilimanjaro erwartet. Andere „Attraktionen“ waren ein Beachvolleyballplatz, eine Squasch-Halle und ein Tennisplatz. Ein superschöner Blick auf die Savanenebene war auch mit drin. Die Bedienung wurde von so manchen Weißen etwas abwertend behandelt was ich nicht so gut fand. Abend haben wir uns dann noch „Mean Girls“ reingezogen. Ja! Wir haben hier sogar einen DVD-Player. Joice unsere Hausfrau bäckt auch jeden Tag frisches Brot und wäscht unsere Klamotten. Ein richtiger Service hier. Der Gärtner heißt Peter und kümmert sich so um alles was ansteht. Um nicht vielleicht doch ausgeraubt zu werden haben wir einen Watchman, einen Massai, der um unser Haus schleicht und auf uns aufpasst. Leider ist mein Hormonhaushalt etwas umgekippt was Liebessehnsüchte angeht (ich glaube jeder weiß wen ich vermisse), was mir etwas zu schaffen macht und runterzieht. Ich hoffe dass ich mich bald besser eingelebt habe und wieder on top bin.
Am Montag war unser erster Arbeitstag und es ging ca. um 8 los. Das lokale Krankenhaus und MMRP-Gebäude ist gut zu in 11-15 Minuten zu Flip-Flops zu erreichen. Da wurden wir erstmal allen möglichen Leuten vorgestellt, bei denen ich eigentlich sofort den Namen wieder vergessen habe, weil er entweder undeutlich ausgesprochen wurde und auch so kompliziert war, dass ich ihn hätte nicht mal nachsprechen können, geschweige denn merken. Die Räumlichkeiten wurden uns von Petra auch gezeigt. Die haben was medizinische Ausrüstung angeht, ein Top-Equipment. Und eine Staffel an Autofahrern. Da haben wir uns auch gleich mal einen geschnappt, der uns zu „Kihombe“, der Organisation wo auch das Waisenhaus integriert ist gefahren hat. Der Fize-Chef hat uns auch gleich mal rumgeführt, hab aber nicht alles kapiert was er gemeint hat. Es wird wahrscheinlich so ausschauen, dass ich 1 Monat als Lehrer arbeite und Kinder unterrichte und die andere Zeit sonst so helfe wo es grad anfällt. Wahrscheinlich mache ich bei der öffentlichen Aufklärungsarbeit mit. Was ich da machen muss? Wahrscheinlich muss ich dann den Leuten zeigen wie man ein Kondom benutzt oder wie HIV eigentlich übertragen wird. Anscheinend sind die Clichés nicht unbegründet und die Schwarzen brauchen eine XXL-Größe. Die aus Europa geschenkten Kondome haben ansc heinend nicht gepasst :D. Als wir dann zur Schule gefahren sind, haben wir noch einen Lehrer mitgenommen, dem wir schon vorher die Hand geschüttelt haben. Kurioserweise haben wir ihm dann dort nochmal die Hand geschüttelt und nach 2 Minuten sind wir mit ihm wieder zurückgefahren. Aha sehr interessant! Danach hatten wir eigentlich schon aus. Aber ich muss sagen nach der Abipause ist man einfach nichts mehr gewöhnt was arbeiten angeht. Ich war ja schon nach dem Minifutzitag recht kaputt. Am Nachmittag waren wir dann auch das erste Mal einkaufen. Ein Typ wollte uns gleichmal seine bescheidene Münzensammlung andrehen, der wir aber widerstehen konnten. Gar nicht so billig wenn man ein wenig Anprüche hat. Da kann man im Supermarkt in Deutschland billiger einkaufen gehen! Ganz anders das Essengehen. Dafür waren wir dann direkt am Innenstadtmarkt. Aber es war eigentlich ein Essen mit vorprogrammiertem Durchfall. Es gab einen Eier-Pommesfladen, der frisch zubereitet wurde. Hygienisch sah das allerdings überhaupt nicht aus, aber billig wars! Ungefähr einen Euro zum satt werden und für eine Cola hats auch noch gereicht. Die Getränke hat uns eine sehr nette alte Oma gebracht. Der konnte man das Geschäft einfach nicht abschlagen. Noch wegen der Hygiene dort: Teller waschen lief so ab: Teller in Schmutziges Wasser halten, Teller in Klares Wasser kurz mit der Hand drüber und dann noch mit der Hand den Teller Trockenschütteln.
Was ich heute so erlebt habe und jetzt so die nächsten Tage kommen wird schreibe ich in meinem nächsten Eintrag!
Ich hoffe euch geht es gut! Wish you all the Best! Viele Liebe Grüße aus Mbeya und bis zum nächsten Mal
Euer Simon

