Dienstag, 6. Oktober 2009

Ich bin dann mal weg!

Hallo meine Lieben!
Es kommt jetzt bestimmt wie ein riesiger Vorschlaghammer und haut euch alle vom Hocker. Also bitte festhalten. Ich werde wieder nach Deutschland kommen. Und zwar sehr bald. Die letzten Blogs haben bestimmt den Eindruck gemacht dass ich hier sehr glücklich bin. Ich muss euch leider enttäuschen: Es waren die zwei Emotionalsten, Hässlichsten, Eindruckvollsten, Entscheidungsreichsten, Depressivsten, Komischsten und Krassesten Wochen die ich durchlebt habe. Wie ihr sicher ja schon wisst war das letzte Jahr was Ereignisse und Schlechten Momenten in unserer Familie und mehr nicht gerade die Schönsten. Ich habe eine Methode entwickelt mit diesen Problemen klar zu kommen: schlucken, schlucken und alles schöön schlucken. Ich habe auch gedacht, dass ich das alles wunderbar verarbeitet habe und wollte unter anderem nach Tansania kommen um erstens auf andere Gedanken zu kommen und auch den Problemen zu entfliehen. Ein Fehler. Im Moment kann man mich nur noch als emotionales Wrack sehen, was Kapitänslos durch einen Strom aus Hauptsächlich Sturmböen und kleinen Sonnenstrahlen umherwackelt. Ich muss wieder das Schiff unter Kontrolle bringen und die Löcher und Probleme bearbeiten und lösen, die ich durchlebt habe. Sonst kann ich hier nichts genießen und ich sitze nur noch als wandelndes stummes Gespenst rum. Deshalb habe ich mich entschlossen nach Deutschland zu kommen um mit professioneller Hilfe mein Schiff wieder stabil zu machen, dass ich wieder gewappnet bin und leben kann und es mir vor allem wieder besser geht. Ich hoffe ihr versteht meine Entscheidung und es tut mir schrecklich Leid. Ich werde mich wieder melden wenn ich weiß wie es alles aussieht und wie es um mich steht. Ich wünsche euch für die Zukunft alles gute! Ich würde mich freuen von euch zu hören.
Ganz liebe Grüße
Eurer Simon

Sonntag, 4. Oktober 2009

Arbeitstage und Hausberg


Mambo meinen Lieben!
Wie geht’s euch? Am Anfang der Woche haben wir unseren ersten Swahiliunterricht von 2 Angestellten aus dem MMRP gekriegt. Bei ihnen haben wir hauptsächlich gelernt wie wir uns vorstellen und auch sehr wichtig: Die jeweilige passende Begrüßung abhängig von Tageszeit und Alter der gegenüberstehenden Person. So muss zum Beispiel ein alter Mann, der natürlich viel weiser ist als du selbst, anders angesprochen werden. Die einzige Schwierigkeit besteht eigentlich darin zu erkennen, wer ist jetzt so alt, dass ich ihn so ansprechen muss? Um gleichmal praktische Erfahrung zu sammeln hat sich jeder von denen einen von uns geschnappt und im Gebäude bzw. auf dem Krankenhausgelände oder Straße umher geschleift und wir mussten quasi jede Person anquatschen, die uns über den Weg gelaufen ist und uns introducen. Eigentlich die beste Methode sich alles einzuprägen. Die meisten haben sich darüber sehr gefreut und haben nicht selten zu lachen angefangen. Nachdem wir mittags in der „Mensa“ essen waren hatten wir auch schon unser erstes Meeting für das Mobile Lab. Typisch tansanisch war erstmal die Hälfte gar nicht da und die Verspätungen zogen sich bis zu 45 Minuten hin. Kurzhin wurde das Treffen auf den nächsten Tag verschoben und wir haben dann nur noch unsere eigene Aufgabe besprochen, wie das eigentlich alles genau abläuft. Wir machen eine Art Data-Collection und fahren in den verschiedenen Destricten umher und besuchen dort dann die jeweiligen ausgesuchten Health Facilities. Dort müssen wir dann verschiedene Datenbücher überprüfen und auch Fragebögen, die wir ihnen geben werden auswerten. Alle Stationen sollen wir in ca. einem Monat einmal abgeklappert haben und so einen Nachweis liefern dass das parallel laufende Mobile Labor nachweislich zur Verbesserung der Tuberculosediagnostik beiträgt und eventuelle Fehler in der Gesundheitsstruktur des Landes aufweisen. Jeden 10ten Patienten müssen wir dann noch genauer unter die Lupe nehmen und falls nötig zu ihm nach Hause fahren und überprüfen ob er jetzt zum Beispiel schon gestorben ist oder wie es im eigentlich geht und warum er beispielsweise nicht im Diagnostic Center aufgetaucht ist, obwohl er das hätte machen müssen. Aber das alles betrifft mich vorerst erstmal nicht, da ich ja zuerst im Waisenhaus arbeiten werde (und ich ehrlichgesagt auch noch nicht weiß wie lange ich es ohne Emily aushalten werde). Abends waren wir dann noch bei den Clowes und haben mit den Kindern fangen gespielt und einen Fleischhaufen auf dem Trampolin gemacht.

Die Nächsten Tage haben wir dann einen richtigen Swahililehrer gekriegt, der uns vormittags ca. 4 Stunden unterrichtet. Wir haben in der kurzen Zeit so viel gelernt, dass ich zumindest überhaupt nicht alles aufnehmen konnte und ich etwas was, das Stoffpensum anbelangte recht überfordert war und irgendwann nicht mehr richtig mitgekommen bin. Die Grammatik von Swahili ist etwas schwierig und man muss wirklich sehr viele Präfixe und Vokabeln auswendig lernen, die gar nicht an irgendeine europäische Sprache angelehnt werden können oder Ähnlichkeiten aufweisen, einfach eine ganz andere Sprache. Bei den englischen Sätzen die uns diktiert werden sitzt man dann schon eine halbe Ewigkeit bis man sie korrekt übersetzt hat. Nach der Schule wurde uns noch das TBC-Arbeitsgebäude gezeigt und das anschließende Meeting verlief diesmal ohne weitere Probleme. Ich bin mir oft vorgekommen wie in einer Schulklasse, bei der einer dem anderen eingesagt hat was er eigentlich zu tun hat und andere sich stolz gefühlt haben wenn sie eine richtige Antwort oder einen guten Vorschlag gebracht haben. Das „Nationalgericht“ der Tansanier, Ugarli kann man essen, muss man aber nicht. Eine Art fester Grießbrei, der schon nach wenigen Bissen stopft und voll macht. Am Nachmittag wollte ich mein Handy richten lassen, unser Lehrer hat immer gemeint, dass ich mein Handy „flushen“ muss. Gut, nach einiger Zeit habe ich dann doch einen Typen gefunden der mich zu einer recht illegal aussehenden schnuckligen Schrauberwerkstatt. Der Hausherr hat mir aber einen ganz anderen Preis genannt als ich schon im voraus gesagt gekriegt habe. Um einiges teurer. Deshalb habe ich es auch am Tag drauf unserem Lehrer mitgegeben, der es dann doch billiger hingekriegt hat.

Am Freitagnachmittag sind wir zu dritt los um den Hausberg hier zu besteigen. Der Weg war sehr direkt und nach einer Stunde steilem Pfad und vollgeschwitztem T-Shirt haben wir das Gipfelkreuz des Vorberges erreicht. Von dort hatte man eine atemberaubende Sicht auf das Tal in dem Mbeya liegt und natürlich auf die Stadt selbst. Sie ist doch um einiges größer als ich gedacht habe. Wir sind dann noch ein Stück weiter um den Berg rum und konnten die wechselhafte und total andere Fauna aber vor allem Flora bewundern. Es gibt Bäume, die fast nur aus Blüten zu bestehen scheinen und da fragt man sich womit die eigentlich Photosynthese betreiben wollen.



Immer dort wo ein Bach langgeflossen ist wechselte die Landschaft in eine Art kleiner Regenwald, in dem man dem Vogelgezwitscher wie von tropischen Hörspielkassetten lauschen konnte und exquisite Nachbildungen von Tarzanschauplätzen bestaunen konnte. Für die anderen Biologen unter euch wäre das wahrscheinlich ein Paradies an Botanischen Neuland gewesen. Hier ein paar schöne Fotos:




Leider habe ich einen Speicherchip zu meiner großen Kamera vergessen deshalb, die etwas niedrigere Qualität.
Wir mussten dann schließlich doch bald umdrehen, hauptsächlich aus 2 Gründen: Erstens hat es die ersten Vorboten der Regenzeit direkt über uns verschlagen und hat das flüssige H2O über unseren Köpfen entleert und zweitens wollten wir nicht im Stockdunkeln uns den Weg ertasten (obwohl das vielleicht auch mal Spaß machen würde). Lange Rede kurzer Sinn: Einige kaputte Kniegelenke später und 45 Minuten Zeitaufwand und schon waren wir wieder unten. Danach hatte man sich reglich die Dusche verdient.
Ich hoffe euch geht es gut und bald kommt auch ein Eintrag über DIE FARM. Bis dahin euch allen alles Gute und bis bald! Viele Liebe Grüße
Euer Simon

Dienstag, 29. September 2009

Die ersten Tage in einer neuen Welt


Jambo meine Lieben!
Habari? Jetzt müsst ihr antworten: Nzuri! (Das heißt dann auf Gutbayrisch: Wie schauts aus? - Guad!) Viel größer ist bisher mein Vokabular noch nicht, aber wird sicher noch werden ;) Morgen klingelt der Wecker bzw. der Muezzin. Es ist noch dunkel und ich möchte nicht wissen wie früh es da noch ist. Nachts bellen hier auch die Hund wie verrückt, gut wenn sie Tollwut haben sie sind sie das ja auch vielleicht ein bisschen. Hört sich immer nach einer morts Hundeparty an, die dann tagsüber den Rausch ausschlafen, weil dann wie vom Erdboden verschluckt sind. Macht uns hier schon etwas stutzig. Etwas humaner ist dann der Hahn-Esel-Wecker, der ein wenig später losgeht, aber ein ordentliches Durchhaltevermögen hat. Nachdem wir aufgestanden sind haben sind wir zum ersten Mal in die Stadt und haben mal die Märkte abgecheckt. Es gibt hier 2 bzw. 3 größere Märkte. Einer ist im „Downtown“. Das Fleisch werde ich dort auf keinen Fall kaufen, weil die Fliegen schon von weitem eine dichte schwarze Wolke bilden und es schrecklich stinkt. Netterweise grüßen uns alle hier, die wollen aber eher ihre Ware anpreisen und verkaufen. Uns wurde geraten den Preis der uns zuerst genannt wird nicht zu akzeptieren und auf jeden Fall runterzuhandeln, aber irgendwie habe ich bei einem Kauf dann doch immer das Gefühl, dass er mich verarscht hat. Die Stoffe, die man hier kaufen kann sind sehr schön und man kann sich für recht wenig Geld ein Kleid schneidern lassen. Unter einem Meer von Schwarzen fällt man doch schon sehr auf und Weiße sieht man so gut wie gar nicht. Mittags waren wir dann bei Familie Clowes zum Essen eingeladen. Die drei Kinder sind sehr nett und haben in ihrem Garten ein echtes Spieleparadies. Neben Kletterwand, findet man hier ein Trapolin (für das ich eindeutig zu schwer bin und bei einem riesengroßen Hüpfer am Boden angeschlagen bin), ein Baumhaus und ein Blockhaus was als eigene Privatschule genutzt wird und sehr schön eingerichtet ist. Die Speisekammer stellt der Garten quasi auch da: Jeden Tag frische Eier von Freilandhühnern und wenn es dann doch mal Fleisch sein soll: Hinterm Haus gibt es frische Truthähne. Wozu der Esel Benjamin gut sein soll ist mir noch ein Rätsel. Der ist einfach nur laut oder erregt. Der Hund Simeloy zeigt seine Zuneigung zu dir indem er an deinem Arm rumnagt und vollsabert. Den haben wir dann auch gleich gewaschen, weil selbst der beste Teppichklopfer die Sandbank aus seinem Fell nicht raukriegen konnte. Die erste Sportliche Ertüchtigung hier bestand dann darin den Hund zu fangen und zum Wasserschlauch zu zerren.

Zum um einiges größeren aber auch weiter entfernten Markt sind wir dann auch noch gegangen. Er bestand außer größeren „Shoppingstreets“ auch aus sehr verzweigten, dunklen Gässchen. Also zum Versteckspielen ideal.

Und endlich weiß ich auch wohin die Secondhand-, Thirdhand- und sonstwashand Kleider hinkommen. Kleine Mont Blanc Kleidungshügel haben sich überall aufgetürmt und wurden schon eifrig von Schwarzen Frauen durchwühlt. Manche Sachen waren ja so dreckig, dass ich die gleich in die Mülltonne kloppen würde. Ganz Nette Flip-Flops habe ich dann doch noch gefunden. Dieser Markt stellt im ganzen wohl eine eine Riesenshoopingmal dar, weil mir hier von Wook über Obst und Klamotten alles kriegt.

Fotos sollte man wirklich mit Absprache machen. Als wir ein wenig eigentlich wirklich recht unaufällig rumfotografiert hatten wurden wir schon recht böse angeguckt und ich glaube auch angemotzt. Naja, we will learn.

Zurück haben wir dann gleich mal den regionalen Nahverkehr getestet und sind in ein Dalla-Dalla eingestiegen. Das ist ein kleiner etwas schon schrottiger Bus, der als Shuttle genommen werden kann. Statt den berichteten 50 Schilling (ca. 3-4 Cent) haben wir dann doch 200 Schilling bezahlt, was quasi hier eine Unverschämtheit darstellt ;) Ich habe mich gefragt ob wahrscheinlich 90 Prozent der Schwarzen hier, ihr Geld mit Verkauf verdient?! Der Zeitrhytmus ist hier völlig anders als in Deutschland und man hat das Gefühl von Mitternacht wenn es erst 9 oder 10 ist.
Am Sonntag sind wir nach Utengule gefahren, einem Art für tansanische Verhältnisse Luxus-Hotel und Kaffeeplantage. (Ja Clara ich bringe dir Kaffee mit ;)) Auf dem Weg dorthin hat man erstmal richtig gesehen wie groß und weitläufig eigentlich Mbeya ist. Ganz schöne große Stadt! Dort findet man dann die ganzen Weißen, weil dort der einzige „öffentliche“ Pool in wahrscheinlich mehreren Hundert Kilometern ist. Das kalte Wasser war sehr erfrischend, aber man hat sich dann doch gewundert, dass man als man aus dem Wasser gekommen ist doch tatsächlich gefroren hat. Afrika und frieren hatte ich eigentlich nur am Kilimanjaro erwartet. Andere „Attraktionen“ waren ein Beachvolleyballplatz, eine Squasch-Halle und ein Tennisplatz. Ein superschöner Blick auf die Savanenebene war auch mit drin. Die Bedienung wurde von so manchen Weißen etwas abwertend behandelt was ich nicht so gut fand. Abend haben wir uns dann noch „Mean Girls“ reingezogen. Ja! Wir haben hier sogar einen DVD-Player. Joice unsere Hausfrau bäckt auch jeden Tag frisches Brot und wäscht unsere Klamotten. Ein richtiger Service hier. Der Gärtner heißt Peter und kümmert sich so um alles was ansteht. Um nicht vielleicht doch ausgeraubt zu werden haben wir einen Watchman, einen Massai, der um unser Haus schleicht und auf uns aufpasst. Leider ist mein Hormonhaushalt etwas umgekippt was Liebessehnsüchte angeht (ich glaube jeder weiß wen ich vermisse), was mir etwas zu schaffen macht und runterzieht. Ich hoffe dass ich mich bald besser eingelebt habe und wieder on top bin.


Am Montag war unser erster Arbeitstag und es ging ca. um 8 los. Das lokale Krankenhaus und MMRP-Gebäude ist gut zu in 11-15 Minuten zu Flip-Flops zu erreichen. Da wurden wir erstmal allen möglichen Leuten vorgestellt, bei denen ich eigentlich sofort den Namen wieder vergessen habe, weil er entweder undeutlich ausgesprochen wurde und auch so kompliziert war, dass ich ihn hätte nicht mal nachsprechen können, geschweige denn merken. Die Räumlichkeiten wurden uns von Petra auch gezeigt. Die haben was medizinische Ausrüstung angeht, ein Top-Equipment. Und eine Staffel an Autofahrern. Da haben wir uns auch gleich mal einen geschnappt, der uns zu „Kihombe“, der Organisation wo auch das Waisenhaus integriert ist gefahren hat. Der Fize-Chef hat uns auch gleich mal rumgeführt, hab aber nicht alles kapiert was er gemeint hat. Es wird wahrscheinlich so ausschauen, dass ich 1 Monat als Lehrer arbeite und Kinder unterrichte und die andere Zeit sonst so helfe wo es grad anfällt. Wahrscheinlich mache ich bei der öffentlichen Aufklärungsarbeit mit. Was ich da machen muss? Wahrscheinlich muss ich dann den Leuten zeigen wie man ein Kondom benutzt oder wie HIV eigentlich übertragen wird. Anscheinend sind die Clichés nicht unbegründet und die Schwarzen brauchen eine XXL-Größe. Die aus Europa geschenkten Kondome haben ansc heinend nicht gepasst :D. Als wir dann zur Schule gefahren sind, haben wir noch einen Lehrer mitgenommen, dem wir schon vorher die Hand geschüttelt haben. Kurioserweise haben wir ihm dann dort nochmal die Hand geschüttelt und nach 2 Minuten sind wir mit ihm wieder zurückgefahren. Aha sehr interessant! Danach hatten wir eigentlich schon aus. Aber ich muss sagen nach der Abipause ist man einfach nichts mehr gewöhnt was arbeiten angeht. Ich war ja schon nach dem Minifutzitag recht kaputt. Am Nachmittag waren wir dann auch das erste Mal einkaufen. Ein Typ wollte uns gleichmal seine bescheidene Münzensammlung andrehen, der wir aber widerstehen konnten. Gar nicht so billig wenn man ein wenig Anprüche hat. Da kann man im Supermarkt in Deutschland billiger einkaufen gehen! Ganz anders das Essengehen. Dafür waren wir dann direkt am Innenstadtmarkt. Aber es war eigentlich ein Essen mit vorprogrammiertem Durchfall. Es gab einen Eier-Pommesfladen, der frisch zubereitet wurde. Hygienisch sah das allerdings überhaupt nicht aus, aber billig wars! Ungefähr einen Euro zum satt werden und für eine Cola hats auch noch gereicht. Die Getränke hat uns eine sehr nette alte Oma gebracht. Der konnte man das Geschäft einfach nicht abschlagen. Noch wegen der Hygiene dort: Teller waschen lief so ab: Teller in Schmutziges Wasser halten, Teller in Klares Wasser kurz mit der Hand drüber und dann noch mit der Hand den Teller Trockenschütteln.

Was ich heute so erlebt habe und jetzt so die nächsten Tage kommen wird schreibe ich in meinem nächsten Eintrag!

Ich hoffe euch geht es gut! Wish you all the Best! Viele Liebe Grüße aus Mbeya und bis zum nächsten Mal

Euer Simon

Samstag, 26. September 2009

Von München nach Mbeya


Hallöchen meine Lieben!

Ich sitze hier grad im Flugzeug und setze schonmal den ersten Blog auf. Unter uns saust gerade Somalia hinweg, aber man sieht eigentlich nur ein Meer aus flauschigen Schäfchenwolken und endlose eintönige Wüste. Naja beginnen wir mal am Anfang: Ich fands klasse, dass ihr alle da wart und ich hab mich riesig gefreut! Im Airbus hab ich dann doch ein recht mulmiges, fast schon heimwegartiges Gefühl gehabt. Sicherlich die Nebenwirkungen von der Malariaprohylaxe?! Oder?

Gestartet sind wir dann gleichmal mit einer ¾ Stunde Verspätung und die Stewardessen waren total verplant, dass nicht gerade eine Sicherheit bezüglich der Crew aufgekommen ist. Nach einem mäßig guten Schlaf haben wir beim Sonnenaufgang dann doch noch butterweich in Dubai aufgesetzt und wurden gleichmal in das brandneue Terminal 3 gelotst, was von außen aussieht, ja mhh, wie eine dicke kurze Schlange oder ein Rollmops. Die Aufzüge dort wurden wahrscheinlich konzipiert Elefanten zu kutschieren. Nagelneue Flitzer konnte man auch wieder gewinnen, wenn man genügend Kleingeld für ein Los, quasi 500 Arabische Dirham hat.

Was Gebäudearchitektur angeht können die Araber einen auch nur noch ins Staunen versetzen, die haben’s drauf. Alles sehr futuristisch und überall hängen Plakatte von zukünftigen, instabil aussehenden Geometriehotels. Emily ich habe dir auch eine Postkarte geschrieben, aber das „Postamt“-Personal hat eher den Eindruck gemacht, dass die Karte das unwichtigste der Welt sei und im nächsten Moment in den Papierkorb gestampft wird. Gleichmal im neuen Flieger wurden die Gepäckstücke kontrolliert. Das lief ungefähr so ab: Du sitzt und siehst dein Gepäck über dir natürlich nicht. Frage: „Is that your baggage? Which Colour?“ Naja bei sowas kommt einem schon der Gedanke: Wo ist die Bombe?. So ich schreib dann nachher weiter, ich lege mich jetzt ersmal hin. Ich glaube ich nehme die 4er Reihe vor mir ;) Glücklicherweise ist das Flugzeug halb leer (ok halb voll).

Sodala, jetzt bin ich schon in Mbeya und sitze am Esstisch vom „German Guest House“. Wo waren wir stehengeblieben?! Ahja. Also ich hab dann im Flug mal in Richtung Kibo geschaut, aber außer ein paar etwas aus der normalen Wolkenschicht rausguckenden Quellwolken war leider nix zu gucken. Vielleicht waren wir auch einfach zu weit weg. Kurz darauf sind wir auch schon in Dar Es Salaam gelandet und mussten die ersten Hürden schaffen: 1. Visa kriegen. Das war eigentlich relativ leicht, nach ein paar aufgefühlten Zetteln später (2 mal Visadokumente und einmal Krankenbescheinigung) und nur noch eine halbe Stunde gewartet schon hatten wir unser Visa und konnten gleich auch schon das Baggage Claim ansteuern. Übrigens der Flughafen ist schon sehr klein und das alles mit Zoll usw. hat alles in einen Raum mit der ungefähren Größe unserer Mensa gepasst. Gut, nun zur 2. Hürde: Wir mussten die 7 Päckchen vom Medical Research Programme irgendwie durch den Zoll kriegen. So Schwarze haben gleichmal unser Gepäck geschnappt und auf die „Einkaufswägen“ geladen, obwohl wir das selbst machen wollten. Der Zoll hat uns dann auch sofort aufgehalten und hat die einzelnen Kisten aufgemacht und reingeschaut. Und irgendwann kamen sie auf die Idee dass wir eine Bescheinigung brauchen, nagut dann hab ich ihnen die Papiere hingehalten was ich mitgekriegt hab. Hat leider nicht gereicht. Das Ende der Geschichte: 2,5 Stunden lang warten auf irgendeinen Stempel, den ein Beamter irgendwo um den nächsten Block holen musste. Den haben wir aber nie gesehen und wir durften dann doch nach der Zeit raus. Ich hatte eher den Eindruck, dass sie sich einfach wichtig machen wollten und uns aus welchem Grund auch immer nur aufhalten wollten. Hürde Nr.3: Den Fahrer finden. Steffi (die neue Lehrerin für Deutsche in Mbeya, die wir auf dem Flug kennengelernt haben) meinte dass uns Nelson abholt. Dann bin ich gleichmal zum nächsten hin: „Are you Nelson“, der nickt, aber wie sich heraustellte war das irgendein anderer Fahrer und der richtige (Simion) hat uns dann doch gefunden. Die Gepäckträger haben mit 5 $ das Geschäft ihres Lebens gemacht. Dann hieß es, rein in die Rush-Hour von Dar Es Salaam! Und was für eine! Da ist ja der Verkehr in Rom ein Klacks dagegen! Es war überall mortmäßiger Stau und keiner Schien so wirklich irgendwelche Verkehrregeln zu beachten. Hier hieß es: Größeres Auto + Risiko = Vorfahrt! Die meisten vollgerammelten Buse haben eh einen Weg über die Fussgängerwege und und Parks gesucht. Viel besser war das aber auch nicht, weil alles mit Leuten vollgepflastert war. Gab es mal Unannehmlichkeiten wurde gleich die Faust augepackt und heftig gestritten.Die Straßenhändler ließen auch nicht lange auf sich warten und boten am Fenster für Äpfel, Klobürsten, Trinken, Sonnenbrillen, Zeitungen, Flip-Flops, Handy-Aufladekabel und und und an. Am Straßenrand waren nur noch Shops zu sehen und Betten wurden neben Särgen angepriesen. Auf dem Weg zu unseren Hotel sind wir an Art Slums vorbeigefahren, wo es eigentlich überall saudreckig war und Hunde, Hennen und Ziegen nach Essbarem gesucht haben. Wie man es eigentlich nur in National Geographic sieht, hat man richtig gemerkt wie arm die Menschen hier sind, was ziemlich reinzieht. Unser Hotel „Password“ war ganz ok, leider ging die Dusche nicht, dass ich mich unter einen Wasserhahn kauern musste um das Wasser weiß Gott wie auf meinen Körper zu kriegen. Wir sind dann auch noch kurz was Essen gegangen und haben Chicken bestellt. Was eigentlich ganz lecker, die Kellnerin hat sich glaub ich ein wenig an uns amüsiert, weil wir nicht wirklich manchmal kapiert haben was sie von uns wollte (z.B. ein Schale Wasser zum Händewaschen wurde gebracht). Hoffentlich kriege ich kein Durchfall. Erschöpft von der Reise bin ich auch gleich ins Bett gesunken und habe noch den Gesängen des Muezzin (schreibt man den so?!) gelauscht. Um 6 Uhr morgens gings dann auch schon weiter. Nachdem wir noch eine Mitarbeiterin vom MMRP abgeholt haben sind wir raus aus Dar Es Salaam, rein in die Steppe. Die Straße war aber bis Mbeya wunderbar geteert. Wunderbar ist eindeutig übertrieben.

Wir sind oft an Abschnitten mit „30“ Markierungen mit 130 drübergebrettert. Bei uns gäbe das wahrscheinlich ein paar Pünktchen. An der Straße laufen haufenweise die Leute entlang und auch sehr chlichéweise: z.B. Frauen mit bunden Kleidern, die Töpfe auf dem Kopf tragen. Ich glaube dass die alle sich kein Auto bzw. Bus leisten konnten, weil man sie auch teilweise irgendwo mitten in der Pampa angetroffen hat. Die meisten (fast ausschließlich) Fahrzeugtypen waren übrigens LKWs und Busse. Wir haben uns auch während der Fahr recht viel mit unserem Fahrer unterhalten, der sehr gutes Englisch konnte. Wir sind auch durch ein Nationalpark gefahren, wo wir gleichmal Zebras, einen Elefanten, Antilopen, Giraffen, Warzenschweine und Bissons gesehen haben, aber meistens nur weiter weg.

Die Affen, die man fast immer umgefahren hätte, hatten kein Problem damit sich mitten auf die Straße zu setzen und beim krassen Hupen nur ganz gemächlich sich zu verziehen. Sie haben nach Essen am Straßenrand gesucht, weil aus den Bussen quasi minutenweise Müll aus den Fenstern gewurfen wurde. Dementsprechend sah das dann auch aus! Fast wie auf einer Müllhalde. Tomaten wurden an Ständen auch am „Arsch der Welt“ angeboten und die meisten kleinen Dörfchen bestanden aus kleinen Lehmhütten. Irgendwo kam dann doch mal ein unbehagliches Gefühl auf. Ich hatte auch manchmal das Gefühl hier dann Fehl am Platze zu sein und hab mir gewünscht dann doch in Deutschland wieder zu sein. Typisches Heimweh halt. Aber vor allem vermisse ich Emily, mehr denn je! Ich hoffe das wird die nächsten Tage besser.

Nach ca. 5 Stunden fahrt haben wir dann auch ein englisches Frühstück bekommen, bestehend aus Rührei, Beans, einer komischen Wurst, Toast und Tee. Die Landschaft varrierte von Stunde zu Stunde und war schon teilweise atemberaubend. Aber hauptsächlich recht karg, trocken… Steppe halt. Aber während der Regenzeit solls anscheinden doch sprießen. Was „König der Löwen“ angeht bin ich jetzt um einiges schlauer. Wir haben diese Bäume gesehen, in dem auch der Affe von König der Löwen haust (wie heißt der nochmal?). Wisst schon: Saudicker Stamm und oben wenig Geäst. Nach ca. 12 Stunden Fahrt und 800 km haben wir endlich Mbeya erreicht. Unser „German Guest House“ ist ein kleines Stück den Berg rauf. Wir wurden auch gleich von den anderen Deutschen vom MMRP begrüßt und zum Abendessen eingeladen (Petra & family). Obwohl sie deutsch sind sprechen sie hauptsächlich Englisch. Sie haben auch Hasen, 2 Hunde (einer ist ein Mischling aus Boxer und sonstewas und der andere wenn mich nicht alles täuscht ein Checkie) und ein Esel steht im Garten ;). Die Kinder sind sehr nett und haben ein echtes Spieleparadies im Garten. Unser Haus ist gleich nebenan. Wir haben einen Gärtner (Peter) und eine Haushälterin. Wir wohnen auch noch mit 2 Peruanern hier und es scheint so in Richtung WG zu gehen. Naja ich werde jetzt dann auch bald schon ins Bett gehen, weil ich schon recht fertig bin.

Ich würde mich freuen von euch zu hören. Ganz liebe Grüße aus Mbeya!

Euer Simon