Hallo meine Lieben!
Es kommt jetzt bestimmt wie ein riesiger Vorschlaghammer und haut euch alle vom Hocker. Also bitte festhalten. Ich werde wieder nach Deutschland kommen. Und zwar sehr bald. Die letzten Blogs haben bestimmt den Eindruck gemacht dass ich hier sehr glücklich bin. Ich muss euch leider enttäuschen: Es waren die zwei Emotionalsten, Hässlichsten, Eindruckvollsten, Entscheidungsreichsten, Depressivsten, Komischsten und Krassesten Wochen die ich durchlebt habe. Wie ihr sicher ja schon wisst war das letzte Jahr was Ereignisse und Schlechten Momenten in unserer Familie und mehr nicht gerade die Schönsten. Ich habe eine Methode entwickelt mit diesen Problemen klar zu kommen: schlucken, schlucken und alles schöön schlucken. Ich habe auch gedacht, dass ich das alles wunderbar verarbeitet habe und wollte unter anderem nach Tansania kommen um erstens auf andere Gedanken zu kommen und auch den Problemen zu entfliehen. Ein Fehler. Im Moment kann man mich nur noch als emotionales Wrack sehen, was Kapitänslos durch einen Strom aus Hauptsächlich Sturmböen und kleinen Sonnenstrahlen umherwackelt. Ich muss wieder das Schiff unter Kontrolle bringen und die Löcher und Probleme bearbeiten und lösen, die ich durchlebt habe. Sonst kann ich hier nichts genießen und ich sitze nur noch als wandelndes stummes Gespenst rum. Deshalb habe ich mich entschlossen nach Deutschland zu kommen um mit professioneller Hilfe mein Schiff wieder stabil zu machen, dass ich wieder gewappnet bin und leben kann und es mir vor allem wieder besser geht. Ich hoffe ihr versteht meine Entscheidung und es tut mir schrecklich Leid. Ich werde mich wieder melden wenn ich weiß wie es alles aussieht und wie es um mich steht. Ich wünsche euch für die Zukunft alles gute! Ich würde mich freuen von euch zu hören.
Ganz liebe Grüße
Eurer Simon
Dienstag, 6. Oktober 2009
Sonntag, 4. Oktober 2009
Arbeitstage und Hausberg
Mambo meinen Lieben!
Wie geht’s euch? Am Anfang der Woche haben wir unseren ersten Swahiliunterricht von 2 Angestellten aus dem MMRP gekriegt. Bei ihnen haben wir hauptsächlich gelernt wie wir uns vorstellen und auch sehr wichtig: Die jeweilige passende Begrüßung abhängig von Tageszeit und Alter der gegenüberstehenden Person. So muss zum Beispiel ein alter Mann, der natürlich viel weiser ist als du selbst, anders angesprochen werden. Die einzige Schwierigkeit besteht eigentlich darin zu erkennen, wer ist jetzt so alt, dass ich ihn so ansprechen muss? Um gleichmal praktische Erfahrung zu sammeln hat sich jeder von denen einen von uns geschnappt und im Gebäude bzw. auf dem Krankenhausgelände oder Straße umher geschleift und wir mussten quasi jede Person anquatschen, die uns über den Weg gelaufen ist und uns introducen. Eigentlich die beste Methode sich alles einzuprägen. Die meisten haben sich darüber sehr gefreut und haben nicht selten zu lachen angefangen. Nachdem wir mittags in der „Mensa“ essen waren hatten wir auch schon unser erstes Meeting für das Mobile Lab. Typisch tansanisch war erstmal die Hälfte gar nicht da und die Verspätungen zogen sich bis zu 45 Minuten hin. Kurzhin wurde das Treffen auf den nächsten Tag verschoben und wir haben dann nur noch unsere eigene Aufgabe besprochen, wie das eigentlich alles genau abläuft. Wir machen eine Art Data-Collection und fahren in den verschiedenen Destricten umher und besuchen dort dann die jeweiligen ausgesuchten Health Facilities. Dort müssen wir dann verschiedene Datenbücher überprüfen und auch Fragebögen, die wir ihnen geben werden auswerten. Alle Stationen sollen wir in ca. einem Monat einmal abgeklappert haben und so einen Nachweis liefern dass das parallel laufende Mobile Labor nachweislich zur Verbesserung der Tuberculosediagnostik beiträgt und eventuelle Fehler in der Gesundheitsstruktur des Landes aufweisen. Jeden 10ten Patienten müssen wir dann noch genauer unter die Lupe nehmen und falls nötig zu ihm nach Hause fahren und überprüfen ob er jetzt zum Beispiel schon gestorben ist oder wie es im eigentlich geht und warum er beispielsweise nicht im Diagnostic Center aufgetaucht ist, obwohl er das hätte machen müssen. Aber das alles betrifft mich vorerst erstmal nicht, da ich ja zuerst im Waisenhaus arbeiten werde (und ich ehrlichgesagt auch noch nicht weiß wie lange ich es ohne Emily aushalten werde). Abends waren wir dann noch bei den Clowes und haben mit den Kindern fangen gespielt und einen Fleischhaufen auf dem Trampolin gemacht.
Die Nächsten Tage haben wir dann einen richtigen Swahililehrer gekriegt, der uns vormittags ca. 4 Stunden unterrichtet. Wir haben in der kurzen Zeit so viel gelernt, dass ich zumindest überhaupt nicht alles aufnehmen konnte und ich etwas was, das Stoffpensum anbelangte recht überfordert war und irgendwann nicht mehr richtig mitgekommen bin. Die Grammatik von Swahili ist etwas schwierig und man muss wirklich sehr viele Präfixe und Vokabeln auswendig lernen, die gar nicht an irgendeine europäische Sprache angelehnt werden können oder Ähnlichkeiten aufweisen, einfach eine ganz andere Sprache. Bei den englischen Sätzen die uns diktiert werden sitzt man dann schon eine halbe Ewigkeit bis man sie korrekt übersetzt hat. Nach der Schule wurde uns noch das TBC-Arbeitsgebäude gezeigt und das anschließende Meeting verlief diesmal ohne weitere Probleme. Ich bin mir oft vorgekommen wie in einer Schulklasse, bei der einer dem anderen eingesagt hat was er eigentlich zu tun hat und andere sich stolz gefühlt haben wenn sie eine richtige Antwort oder einen guten Vorschlag gebracht haben. Das „Nationalgericht“ der Tansanier, Ugarli kann man essen, muss man aber nicht. Eine Art fester Grießbrei, der schon nach wenigen Bissen stopft und voll macht. Am Nachmittag wollte ich mein Handy richten lassen, unser Lehrer hat immer gemeint, dass ich mein Handy „flushen“ muss. Gut, nach einiger Zeit habe ich dann doch einen Typen gefunden der mich zu einer recht illegal aussehenden schnuckligen Schrauberwerkstatt. Der Hausherr hat mir aber einen ganz anderen Preis genannt als ich schon im voraus gesagt gekriegt habe. Um einiges teurer. Deshalb habe ich es auch am Tag drauf unserem Lehrer mitgegeben, der es dann doch billiger hingekriegt hat.
Am Freitagnachmittag sind wir zu dritt los um den Hausberg hier zu besteigen. Der Weg war sehr direkt und nach einer Stunde steilem Pfad und vollgeschwitztem T-Shirt haben wir das Gipfelkreuz des Vorberges erreicht. Von dort hatte man eine atemberaubende Sicht auf das Tal in dem Mbeya liegt und natürlich auf die Stadt selbst. Sie ist doch um einiges größer als ich gedacht habe. Wir sind dann noch ein Stück weiter um den Berg rum und konnten die wechselhafte und total andere Fauna aber vor allem Flora bewundern. Es gibt Bäume, die fast nur aus Blüten zu bestehen scheinen und da fragt man sich womit die eigentlich Photosynthese betreiben wollen.
Immer dort wo ein Bach langgeflossen ist wechselte die Landschaft in eine Art kleiner Regenwald, in dem man dem Vogelgezwitscher wie von tropischen Hörspielkassetten lauschen konnte und exquisite Nachbildungen von Tarzanschauplätzen bestaunen konnte. Für die anderen Biologen unter euch wäre das wahrscheinlich ein Paradies an Botanischen Neuland gewesen. Hier ein paar schöne Fotos:
Leider habe ich einen Speicherchip zu meiner großen Kamera vergessen deshalb, die etwas niedrigere Qualität.
Wir mussten dann schließlich doch bald umdrehen, hauptsächlich aus 2 Gründen: Erstens hat es die ersten Vorboten der Regenzeit direkt über uns verschlagen und hat das flüssige H2O über unseren Köpfen entleert und zweitens wollten wir nicht im Stockdunkeln uns den Weg ertasten (obwohl das vielleicht auch mal Spaß machen würde). Lange Rede kurzer Sinn: Einige kaputte Kniegelenke später und 45 Minuten Zeitaufwand und schon waren wir wieder unten. Danach hatte man sich reglich die Dusche verdient.
Ich hoffe euch geht es gut und bald kommt auch ein Eintrag über DIE FARM. Bis dahin euch allen alles Gute und bis bald! Viele Liebe Grüße
Euer Simon
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